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Matthias Heitmann  Klartext

Olympia: Athleten als staatlich zugelassene Protestler?

Dass sportliche Großereignisse als Bühnen für politische Kampagnen herhalten müssen, ist keine neue Entwicklung. Neu hingegen ist, dass nun auch die Athleten selbst von der Politik ermuntert werden, sich als Protestler zu betätigen. So meinte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, das Internationale Olympische Komitee (IOC) müsse damit leben können, wenn sich Sportler zur Siegerehrung Protest-T-Shirts anzögen. „Wenn das IOC die Spiele weiter an Länder wie China oder Russland vergeben will, dann muss es den Sportlern auch erlauben, sich politisch zu äußern, und ihnen nicht mehr mit Konsequenzen drohen“, sagte Nooke der Berliner Zeitung.



In Zeiten, in denen bekennende Maoisten wie der Fußballer Paul Breitner für Deutschland Titel einheimsten, hätte man derlei wohl kaum erlaubt. Noch im letzten Jahr sah sich der Fußball-Weltverband Fifa genötigt, Profifußballern das Zurschaustellen „politischer, religiöser sowie persönlicher Schriftzüge“ auf Unterhemden, die gerne im Zuge ausschweifenden Torjubels präsentiert wurden, zu verbieten, um Diskriminierungen zu unterbinden.


Offenbar ist die Politisierung des Sports mittlerweile soweit gediehen, dass man es mit derlei Regelungen nicht mehr ganz so ernst nimmt. Sicherlich werden aber in Peking nur ganz bestimmte Slogans auf den Trikots erlaubt und die „persönlichen“ Message-Shirts zuvor in Mannschaftsstärke verteilt. Shirts, die den Anspruch des Dalai Lama auf die politische wie geistliche – mithin totale – Führerschaft über die Tibeter als mittelalterlich-archaisch, antiaufklärerisch und undemokratisch problematisieren, werden ganz bestimmt nicht über unsere Bildschirme flimmern.