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Matthias Heitmann  Klartext

Bespitzelung beim Team Telekom

Im Hause Telekom wurden offensichtlich Gespräche abgehört. Dies mag soweit nicht verwundern, andere deutsche Vorzeigeunternehmen wie Lidl haben vorgemacht, wie es geht. Aufregung und Empörung sind groß, dabei liegt doch das Bespitzeln im Trend, zumindest, wenn es dabei um „die gute Sache“ geht, um den Kampf gegen den Terror oder die Korruption beispielsweise.



Organisationen wie „Transparency International“ rufen zwar nicht direkt zum gegenseitigen Bespitzeln auf, doch die Selbstverpflichtungserklärung, die Unternehmen vor ihrem Beitritt zu TI unterzeichnen müssen, könnten durchaus in dieser Weise interpretiert werden. Diese Unternehmen müssen „ein Umsetzungsprogramm zur Schulung unserer Beschäftigten für eine aktive Korruptionsprävention“ vorweisen. Korruptionsanfällige Mitarbeiter können nach Meinung von TI offensichtlich nur durch Einbindung in strikte Systeme sowie durch „Schulungen“ dazu gebracht werden, sich nicht korrupt zu verhalten und Korruption zu erkennen. Zudem wird gefordert, dass sogenannte „Whistleblower“ (Hinweise auf Korruption liefernde Unternehmensmitarbeiter) von Unternehmen belohnt werden sollen. Um diese Belohnung einzuheimsen, sollte man also die Ohren spitzen.


Dass nun ausgerechnet die Telekom wegen des Abhörens von Gesprächen abgestraft wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Noch vor Jahresfrist wurde der Telekom vorsätzliche Blind- und Taubheit im Umgang mit ihren radelnden Aushängeschildern vorgeworfen. Gerade in Bezug auf das Team Telekom hätte der Konzern einmal genauer „hineinhorchen“ sollen, gilt doch insbesondere im Radsport Bespitzelung mittlerweile als höchste Bürgerpflicht – auch wieder im Dienste der guten Sache, diesmal im Kampf gegen Doping. Denn auch hier gilt: Wer schweigt und absichtlich weghört, macht sich mitschuldig.


Die Entrüstung der Politik über Bespitzelungsaffären ist angesichts der allgemeinen Aufwertung staatlicher Überwachung sowie der vorangetriebenen Erosion der Privatsphäre im Zuge der Antiterrorpolitik gespielt und heuchlerisch. Wenn der gläserne Mensch, das gläserne Unternehmen sowie der gläserne Sportler als positive Zukunftsvisionen proklamiert und individuelle, dem Zugriff staatlicher Kontrolle entzogene Freiräume als Brutstätten des Verderbens eliminiert werden, so ist es nicht überraschend, wenn die Telekom in vorauseilendem Gehorsam sogar soweit geht, dabei auf erfahrene Abhörspezialisten aus der früheren DDR zurückzugreifen.


Kopf hoch, Herr Gysi, du bist dieser Republik weitaus näher, als sie es gern hätte.